Schloss Lysice

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Schloss Lysice

Schloss Lysice, die frühere Wasserfeste, wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu einem Renaissance-Schloss umgebaut. Nach Plänen von Christian Alexander Oedtl erfolgte 1730 eine barocke Umgestaltung. Eine wesentliche Bereicherung der Vielfalt seiner Stilelemente, erfuhr der Schlossbau noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Am ehesten kann man so das Schloss Lysice als Renaissanceschloss mit  Herrichtungen aus der Zeit des Hochbarock sowie des Klassizismus charakterisieren. Der Bau ist berühmt für seine herrliche  Interieurs mit vielen exotischen Ziergegenständen. Dies alles stellt den Besuchern die Lebenswelt und den Lebensstil des führenden mährischen Adels – der Grafenfamilie Dubský von Třebomyslice.

Reiche Sammlungen, die vorwiegend im 19. Jahrhundert angeschaft wurden, beinhalten vorallem Möbelstücke, Glas- und Porzelanerzeugnisse, Bilder, ferner dann eine kostbare Waffensammlung, zwei Bibliotheken, Gegenstände aus dem Orient, sowie eine einzigartige Sammlung bemalter historischer Schiessscheiben. Von Juni bis September besteht ausserdem die Möglichkeit, den bemerkenswerten malerischen Schlossgarten mit seiner Holzkolonnade und das Interieur der Sala terrena oder des Gartensaals zu besichtigen. Zum Bestandteil der Gartenbegehung gehört ebenfalls ein Besuch der Orangerie sowie des Feigenhauses. Der Besucher hat Möglichkeit, sich mit zahlreichen Beispielen des Schlossgartenbaus, der  für die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts typisch war, bekannt zu machen.

Die Geschichte des Schlosses

Die erste indirekte, schriftliche Erwähnung des Ortes Lysice wurde zum Jahre 1308 datiert. Sie hängt zusammen mit der Verkaufsurkunde Heralts von Lysice und Kunštát. Drei Linien der Familie der Herren von Kunstadt hielten Lysice nacheinander im Besitz – der Lissitzer Zweig der Familie ( Kuna, Proček, Aleš und Heralt von Kunstadt) bis zum Jahre 1451, gefolgt vom Lestnitzer Zweig (bis zum Jahre 1490). Schliesslich ist Lysice Eigentum der Kunstädter von Polná (Jan und nach ihm Hynek) geworden. Im Jahre 1514 kam der Ort Lysice in den Genuss besonderer Vorrechte, die dem Ort  Boček von Kunstadt erteilte. Nach diesem Zeitpunkt überliess  Ludvík Zajímač von Kunstadt Lysice dem Vilém  von Pernstein. Die Pernsteiner (Vojtěch von Pernstein) verkauften fünfzehn Jahre später die Herrschaft an Jan Černičický von Kácov. Was dieses Geschlecht angeht, wurde im Jahre 1558  Diviš Černičický erwähnt, im Jahre 1576 dann Jan Burghard, welcher bereits im Jahre 1584  Lysice einem gewissen Hron Březnický von Náchod verkaufte – der lutherischer Konfession war (im Jahre 1606 wird in Lysice auch ein  luteranischer Pfarramt erwähnt).

Unter  Jiřík Březnický von Náchod (1608-1634) und insbesondere unter der Herrschaft von Franz Leopold, dem Reichsgrafen von Náchod und Lichtenburg, haben sich die Eigentümer der Lissitzer Herrschaft mit den neuen Verhältnissen nach der Schlacht am Weissen Berge und mit dem Regime der Gegenreformation-Kaiser Ferdinand des II., Ferdinand des III. und Leopold des I. arrangiert. Sie hatten hochgestellte Posten sowie hohe und ehrenvolle Titel erworben – vor allem der Graf Franz Leopold, der durch die Gunst „seiner Gnade, des römischen Kaisers und des böhmischen Königs zum höchsten Hofrat, zum kaiserlichen Kammerdiener und zum  Landesrichter der  Markgrafschaft von Mähren“ avancierte. Neben mehrerer Güter, die sich vor allem in der Gegend von Znaim befanden, hielt er Lysice für seinen Hauptsitz. Für diesen Ort erwirkte er im Jahre 1652 beim Kaiser Ferdinand dem III. die Erteilung der Rechte eines Marktfleckens. Vor seinem Tod  im Jahre 1660  vermachte er Lysice  seiner Ehegattin Elisabeth, im Jahre 1675 erwarb die Herrschaft Johann Ernst von Montrochier. Dieser reichte die Güter nach kurzer Zeit (1678) an György Szelepcsényi – den Erzbischof von Gran (Esztergom),  weiter. Nach dem Ableben des Erzbischofs  fiel Lysice 1685 kurz Kaiser Leopold I. zu. Dieser verkaufte  das Gut im Handumdrehen an die Grafen von Serényi. Konkret wurden die Waisen nach Johann Karl, dem Graf von Serényi zu Eigentümern des Gutes. Namentlich wurden zu den Haupteigentümer im Jahre 1706 Anton Amatus  († 1738) – gemeinsam mit seiner anvertrauten Ehegattin Franziska, geborenen Waldstein – ernannt. Das Geschlecht von  Serényis befand sich im Besitz der Herrschaft bis zum Jahre 1740, als  Lysice kurz in die Hände der Dittrichsteiner geriet. Seit dem Jahre 1745 gehörte die Herrschaft von Lysice Johann Georg von Piatti, dem Ritter von Drnovice. Nach ihm übernahm im Jahre 1762 die Herrschaft der weithin und unrühmlich bekannter  Emmanuel von  Piatti – in seiner Zeit (im Jahre  1774) entflammten im Bereich des Herrschaftsgutes  Bauernunruhen, deren Ursache harter und umbarmherziger Frondienst war. Erbitterter und gerechter Kampf der Untertanen von Lysice für ihre Rechte (welche ihnen durch Boček von Kunstadt im Jahre  1514 erteilt wurden und die durch Vojtěch von Pernstein vor dem Jahre 1529 und sogar durch Kaiser  Ferdinand III. im Jahre 1652 bestätigt und erweitert worden waren) hörte sogar nach dem Erlass des Reformkaisers Joseph des II. vom November 1781 über die Aufhebung der Fronarbeit in Böhmen, Mähren und Schlesien, nicht auf. Weiterhin bestehende Frondienstverpflichtungen haben die Situation derart zugespitzt, dass im Januar 1783 griffen die Bauern sogar zu Waffen. Die Obrigkeit berief gegen die Aufständischen eiligst die Armee, welche die bewaffnete Erhebung im Blut ertrank. Anführer des Aufstandes, die nicht direkt im Kampf gefallen waren, wurden dann für lange Jahre eingekerkert. Es ist daher kein Wunder, dass der Name Piatti bis heute in der Geschichte von Lysice einen bitteren Beigeschmack hat.

Bald nach diesen Geschehnissen ist die männliche Linie des Geschlechts Piatti von Drnovice ausgestorben(1807). Zur einzigen Erbin ist Antonia (1773-1843) – verehelicht Dubský – geworden. So kam Lysice in Besitz von deren Ehegatten  František, Graf Dubský von Třebomyslice (1750-1812) über, der kurz vor seinem Tode noch für sich und seine Nachkommen den erblichen Titel des Grafen  errang.

František Dubský stammte von altem Adel, der seineTradition noch aus der  Zeit vor der Gegenreformation (vor 1620) bezog. Zu den bedeutendsten Persönlichkeiten dieses alten Adelgeschlechts gehörte Vilém Dubský, welcher sich beim Aufstand der böhmischen Stände im Jahre 1618 gegen den Kaiser Ferdinand II. stellte. Deshalb wurden  ihm nach der verlorenen Schlacht am Weissen Berge bei Prag (1620) alle Besitztümer und Güter beschlagnahmt. Seine ganze Familie erlebte einen unaufhaltsamen Niedergang. Viléms Enkel Jan Karel, der Vater von František, wurde sogar an den Bettelstab gebracht. Er starb im tiefsten Elend in einem Armenhaus. Erst dem Erneuerer von Glanz und Gloria des Dubský-Geschlechtes und dem Gründer seiner Lissitzer Linie, dem Graf František gelang es,  eine atemberaubende Laufbahn und Karriere für sich selbst vorzubereiten und einen festen Boden unter den Füssen auch für seine Nachkommenschaft zu schaffen. Obwohl er Sohn eines verarmten Adeligen war, wurde er zum Präsidenten des mährisch-schlesischen Landesrechts.

Zum Besitzer von Lysice und gleichzeitig zum bedeutendsten Repräsentanten des Adelgeschlechtes der Dubskýs (nach Vilém), wurde nach dem Tod von František sein ältester Sohn Emmanuel (1806-1881), kaiserlicher&königlicher Kämmerer und Geheimrat, Landeshauptmann von Mähren  (also eine Persona grata), darüberhinaus ein gesellschaftlicher Grandseigneur sowie tschechischer Patriot und ein grosser Gönner der tschechischen nationalen Wiedergeburt – nicht umsonst war sein Erzieher der grosse slowenischer Dichter  Prešeren (1800-1849).

Zur sowohl treuen Gefährtin als auch Helferin in seinen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Bemühungen wurde für Emmanuel  seine Ehegattin Mathilde, geborene Zierotin  (1808 bis 1887), die ausser anderem das erste Kinderkrankenhaus in Brünn und somit auch in Mähren  gründete. Mathilde hatte Emmanuel vier Söhne geboren. Der erstgeborene war Quido (1835 bis 1907). Der zweitgeborene Ervín Dubský (1836-1909) wurde zum Marineoffizier, der zum Admiral avancierte. Er bereicherte Lysice um etliche exotische Sammlungen, sowie Waffensammlungen und reichliche Bücherbestände. Die beiden übrigen Söhne – der „Enfant terrible“ der Familie  Zbyněk (1840-1886) und der jüngste  Alfons (1843 bis 1866), griffen in die Geschicke von Lysice nur unwesentlich ein. Der erste beendete sein entgleistes Leben aufgrund seiner ungezügelten und wilden Lebensführung im bitteren Elend und das Leben des  zweiten  wurde von einer preussischen Kugel an der Schwelle seiner Jugend in der Schlacht bei Königsgrätz beendet. Für das ausgehende 19. Jahrhundert und für den Anfang des 20. Jahrhunderts ist es vonnöten, die zeitweiligen Aufenthalte von Emmanuels Nichte, der österreichischen Schrifstellerin Marie von Ebner-Eschenbach, der geborenen Gräfin Dubský (1830-1916) in Erinnerung zu rufen, nach der eine der Schlossbibliotheken von Lysice benannt worden ist. Zum Haupterben von Emmanuel wurde der erstgeborene  Sohn Quido,  der Majoratsherr von Lysice, der ebenfalls zum mährischen Landeshauptmann und zum Vorsitzenden der Ackerbaugesellschaft gewählt wurde. Er war eher vom geschlossenen Charakter und seine Ära, genau wie die Wirkung dessen Nachfolgers, seines Sohnes Albrechts  († 1883), verliefen  bereits nur noch im Zeichen eines almählichen gesellschaftlichen Abstiegs, sowie einer Abnahme der kulturellen Bedeutung sowohl der Familie Dubský als auch von Lysice selbst.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Schloss aufgrund Beneš-Dekreten verstaatlicht und nach dem Jahre 1947 als Denkmal der ersten Kategorie für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.  Zur grosszügigen Gesamt-Rekonstruktion der Innenräume des Schlosses kam es zwischen den Jahren 1966-1972. Die Besichtigungsrunden für die Besucher wurden in den Jahren 1999-2000 erweitert.

Im Jahre 2002 wurde das Schloss zum Nationalen Kulturdenkmal erklärt.

Quelle: www.zameklysice.cz