Das Projekt

Das Projekt ESCHENBACH TEMPORIS  ET LOCI entstand im Rahmen des Fonds für kleine Projekte Südmähren – Niederösterreich, der ein integraler Bestandteil des Programms der Europäischen territorialen Zusammenarbeit Österreich – Tschechische Republik 2007 – 2013 ist (http://www.at-cz.eu/).

Kunst und Kultur sind wesentlich Bestandteile zur Förderung von Verständnis und Toleranz zwischen den Völkern. Auf dieser Ebene entsteht dann jenes Vertrauen, welches eine erfolgreiche Zusammenarbeit auch in vielen anderen Bereichen ermöglicht. Die grenzüberschreitenden Aufführungen von Werken der mährisch-österreichischen Literatin Marie von Ebner-Eschenbach halte ich für ein gutes Beispiel der Stärkung der Verbundenheit und Freundschaft der Tschechischen Republik in Wien.

Dr. Jan Koukal, Botschafter det Tschechischen Republik in Wien 

Marie von Ebner-Eschenbach ist durch ihre Literatur unsterblich geworden. Unsterblich ist damit auch die geistige Verbindung, die sie zwischen  Mähren und den Ländern des heutigen Österreichs und in ihrer Dichtung erfasst und gemeinsam mit ihrer veilseitigen Familie erlebt hat. Indem wir diese Lebendigkeit weiter pflegen, vertiefen wir auch die reale Verbindung  zwischen der Tschechischen Republik und Österreich. Damit leisten wir auch einen Beitrag zur zur Verschmelzung der Lebensbereiche zweier europäischer Partner, die durch ihre gemeinsame Geschichte besonders miteinander verbunden sind.

S. E. Dr. Ferdinand Trauttmansdorff, Botschafter der Republik Österreich in Prag  

Das Projekt ESCHENBACH TEMPORIS ET LOCI, das musikalische, bildnerische und erzieherische Komponente hat,  wurde aus dem Anlass des 180. Geburtstages einer der führenden österreichischen Literatin, der Schrifstellerin mährischer Herkunft,  Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916). Im Rahmen des Projektes fanden drei Konzerte statt: am 22. Mai 2010 im grossen Repräsentationssaal des Schlosses in Lissitz, am 24. November  2010 im Historischen Saal des Rathauses in Korneuburg und am 25. November 2010 im Marmorsaal der Botschaft der Tschechischen Republik in Wien. Im Konzert eklangen jeweils die vertonten Gedichte   von Marie von Ebner-Eschenbach und von ihrer Nichte  Sophie von Waldburg-Syrgenstein, welche von dem Wiener Adeligen  Moriz von Ebner-Eschenbach vertont worden waren. Diese Gedichte sind ein Bestandteil der einzigartigen Sammlung vertonter Gedichte von österreichischen und deutschen Dichtern, die in der Bibliothek von Marie von Ebner-Eschenbach auf dem Staatsschloss in Lissitz deponiert sind.

Im Rahmen des musikalischen Auftritts traten ebenfalls Germanisten – PhDr. Eleonora Jeřábková und Prof. PhDr., Jiří Munzar, CSc. auf, die an der Philosophischen Fakultät der Thomas Masaryk Universität in Brünn wirken, sowie der österreichische Musikwissenschaftler, Univ.-Prof. Dr. Martin Eybl von der  Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, mit Beiträgen zum Leben und Schaffen von Marie von Ebner-Eschenbach,  ihrem Mann, Moriz von Ebner-Eschenbach und Sophie von Waldburg-Syrgenstein.

Zum festen Bestandteil der Veranstaltungen war die Austellung mit Werken des bildenden Künstlers  Rostislav Čuřík, der auch in Wien tätig ist. Der Brünner Künstler bereicherte die grossartigen Räumlichkeiten mit seinen Gemälden, Zeichnungen, Fotogrammen und Objekten, die eine enge thematische Verbundenheit  mit der Musik und mit der eschenbachschen Lyrik auf eindrucksvollste Weise zeigen.

Den Geist des Projektes wurde von  Rostislav Čuřík in seinem kurzen auf den Web-Seiten der Veranstaltung publizierten Feuilleton, erläutert:  „[…] obwohl die gegebenen Dinge des öfteren schliesslich auch vergehen, bleibt nach ihnen für die nächste Zeit ihre Einzigartigkeit. Dies habe ich mir in der Bibliothek der  Marie von Ebner-Eschenbach im Schloss von Lysice (Lissitz) vergegenwärtigt. Ich stellte mir dort ein Bild vor, das durch die Zeit (tempus) und Ort (locus) bestimmt wird. Das Bild, in dem sich Zeit- und Raumlinien mit der ursprünglichen Idee – mit einer Handschrift und durch einen Pinselstrich mit einer Farbschicht der Gegenwart, einander durchdringen. Es entsteht eine neue Aufzeichnung auf der Basis der alten, eine Aufzeichnung der Aufzeichnung – ein Zeit und Raum-Sandwich – eine Aufzeichnung in der für einen Augenblick die Zeit zur Zeitlosigkeit wird. Nehmen wir an, dass jeder Ort seine Einzigartigkeit, seinen Genius Loci hat – dieser Schloss von Lysice ganz gewiss. Es handelt sich um einen Raum, der durch die Reflexion edler Gedanken, die sich in ein Bild, das einzig in seiner Art ist, umwandelt […].“